Frank-Michael Preuss im Gespräch mit Eva Siebenherz – Fragen und Antworten zu „MissingScout“

Veröffentlicht: März 27, 2012 in Online-PR, Social Media, Uncategorized

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Frank-Michael Preuss:

Ihre Initiative gibt es seit 2008 – was war der Auslöser dafür und welche Erfahrungen haben Sie in den vergangenen Jahren gemacht?

Siebenherz:

Wir haben im Januar 2008 angefangen mit Suchpool DDR Bürger. Ausgelöst durch eigenes Erleben. In unserem Team sind Mitarbeiter aus der ehemaligen DDR, die ebenso wie ich, mit dem Thema Zwangsadoption konfrontiert wurden. Im Laufe der nächsten Monate wurde unsere Webpräsenz buchstäblich überrannt, so dass wir im August 2009 auch international tätig wurden und aus dem Suchpool DDR Bürger der Internationale PERSONENSUCHPOOL entstand.

Frank-Michael Preuss:

Wie viele Personen konnten Sie bisher wiederfinden?

Siebenherz:

Auf unserer Webpräsenz steht z. Z. unter der Kategorie „Gefundene Personen“ die Zahl 1384 Personen. Allerdings muss man da etwas differenzieren. Hier ein kleiner Einblick in unsere Statistik:

DDR-Adoption – 192

DDR-Allgemeine Suche – 445

DDR-Gastarbeiter – 16

DDR-Klassenkameraden – 39

DDR-Zwangsadoption – 252

DDR-Sterbefall – 3

DDR-NVA – 8

DDR-Kinderheim – 147

DDR-Haftgefährten – 16

DE-Adoption – 10

DE-Allgemeine Suche – 34

DE-Kinderheim – 2

DE-Klassenkameraden – 58

International – 16

nicht zugeordnet – 146

gesamt – 1384

Wir haben viele Familien wieder vereinen – Kinder und Eltern wieder vereinen können. Hinter diesen Zahlen verstecken sich aber auch ganze Familien. Und es hat sich von diesen Personen ca. ein Drittel selbst bei uns gemeldet. Unsere Arbeitsweise hat sich allerdings über die Jahre sehr verändert.

Frank-Michael Preuss:

Darf man fragen wie Sie suchen? Sie leben ja in Österreich. Die Mehrheit der gefundenen Personen ist jedoch aus Deutschland. Wie geht das?

Siebenherz:

Nun, das ist kein Geheimnis. Nur glauben tut uns das kaum einer. Also, angefangen haben wir, die ersten drei Monate, nur mit einer Website. Dann haben wir angefangen aktiv zu suchen. ?Wir finden die meisten Personen übers. Internet, per Telefon-Recherche und über alte Telefon-CDs. Nur ein ganz geringer Teil wird über aktive Suche vor Ort gefunden.

Frank-Michael Preuss:

Das ist ja kaum zu glauben. Doch dann kam irgendwann noch ein ganz wichtiger Aspekt dazu. Welcher?

Siebenherz:

Wir haben uns jetzt auch der aktuell vermissten Kinder und Erwachsenen angenommen.

Unser Ziel ist es, Hinweise zum Verbleib von Kinder und Erwachsenen zu bekommen und die Bevölkerung zu informieren. Das macht unseren Internetauftritt aus. Das heißt, dass es für uns die Verbreitung der Vermisstenmeldungen in kommunikative Netze ebenso wichtig ist, wie aktive Suche vor Ort. Allerdings haben wir feststellen müssen, dass es eigentlich keine zentrale „Erfassungstelle“ für vermisste Menschen in dem Sinne gibt.

Frank-Michael Preuss:

Was meinen Sie damit ganz konkret?

Siebenherz:

Nun, es gibt Vermisste und Vermisste. Vermisste sind offiziell bei der Polizei als vermisst gemeldete Personen. Die anderen Vermissten sind Personen, die von Menschen – Familienangehörigen etc. vermisst werden. Menschen, die nach einer Fahndung irgendwann aus dem Raster der Polizei heraus fallen. Adoptierte Kinder, die ihre Eltern suchen und umgekehrt. Und wiederum andere Menschen, die einfach verschwunden sind. Vor langer Zeit z. B. unbekannt verzogen und die Ämter haben keine Unterlagen mehr. Die Gründe sind vielfältig. Diese Menschen sind nirgendwo erfasst und doch werden sie vermisst. Es gibt verschiedene Vermissten-Datenbanken, sicher – inklusive die der Polizei, DRK usw. Allerdings sind all diese Datenbanken nicht unbedingt immer aktuell und für normale Bürger nicht einsehbar. Das wollen wir ändern.

Frank-Michael Preuss:

Ihre Webpräsenz http://www.missingscout.com erklärt dies sehr ausführlich. Ab wann wird die Vermissten-Datenbank online sein?

Siebenherz:

Die Datenbank ist bereits online, allerdings noch nicht im endgültigen Design und nicht in voller Funktionalität. Das braucht alles seine Zeit. Und es braucht vor allem Mitarbeiter, Unterstützer und Sponsoren.

„MissingScout“ ist eine, vorerst auf den europäischen Raum beschränkte, Datenbank vermisster Personen. In Zusammenarbeit mit anderen europäischen Organisationen im Bereich der Vermisstensuche wird diese Datenbank am aktuellen Stand gehalten. Aber auch im Bereich der aktiven Vermisstensuche wird eine internationale Kooperation angestrebt.

„MissingScout“ sieht sich hier nicht als Konkurrenz zu den Behörden, sondern als Ergänzung und Unterstützung. Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sollen die Menschen für das Thema sensibilisiert werden. Nur wenn es zwischen der Bevölkerung, den Medien und Behörden sowie den maßgeblichen Organisationen, eine gute Zusammenarbeit gibt, kann man vielleicht Menschenleben retten und das Leid Angehöriger lindern.

Doch das kostet alles Geld, sehr viel Geld! Um noch mehr Sponsoren für unser Projekt zu gewinnen, bedarf es mehr Öffentlichkeitsarbeit, sind Medienauftritte wichtig und vor allem eine größere Akzeptanz für unsere Arbeit seitens der Politik und Behörden.

Mit dem Projekt „MissingScout“ wollen wir jetzt etwas bewegen und hoffen auf Politiker und Menschen wie Sie, denen unser Anliegen wichtig ist. Politiker, die bei den vielen Förderungen, die vergeben werden, auch hier die Notwendigkeit einer solchen für unser Projekt sehen und diese befürworten.

Frank-Michael Preuss:

Vielen Dank für das Gespräch.

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